Gegenkonditionierung Beispiel Essay

Zusammenfassung: Behaviorismus

 

Black-Box-Modell: Der Behaviorismus versteckt die inneren Prozesse des menschlichen Lernens in einer Black-Box. Gegenstand der Untersuchungen sind jeweils der (Eingangs-) Reiz und (herauskommende) Reaktion.
Variablen, die zwischen Reiz und Reaktion liegen, finden keine Beachtung (z.B. angeborene Reaktionen, Emotionen, Motivation oder Reifungsvorgänge).

Der Behaviorismus beschäftigt sich mit Reiz-Reaktions-Modellen: Diese lassen sich in zwei Klassen unterteilen: Der klassischen und der operanten Konditionierung. 

"Klassisches Konditionieren betrifft respondentes Verhalten, das als Reaktion auf Reize ausgelöst wird [...]
Operantes Konditionieren betrifft operantes Verhalten, das als instrumentelle Aktivität auftritt (emittiert wird)".
Lefrancois (1994, 33) 

klassische Konditionierung

Ein neutraler Reiz (NS) wird mit einem biologisch relevanten Reiz (UCS) gepaart, so dass nach einigen Wiederholungen die Darbietung des ehemals neutralen Reizes (NS) genügt, um eine Reaktion hervorzurufen, die zuvor nur durch den UCS ausgelöst werden konnte.
Aus dem neutralen Reiz wird ein konditionierter Reiz (CS), der die konditionierte Reaktion (CR) auslöst.

"Das Modell des Reiz-Reaktions-L. spielt eine bedeutende Rolle
- in behavioristisch orientierten Angsttheorien (Fürntratt, 1974);
- in der Verhaltenstherapie (Gegenkonditionierung, systematische Desensibilisierung, Aversionstherapie);
- in der Motivationstheorie (Konditionierung des Aufforderungscharakters einer Sache);
- in der Werbepsychologie (emotionale Techniken)." Asanger & Wenninger (1999, 394) 

Bei der klassischen Konditionierung ist der Lernende an die vererbten Verhaltensmuster (Reflexe) gebunden. Mit diesem Mechanismus ist nur eine beschränkte Anpassung an die Umwelt erreichbar, da das Erlernen neuer Verhaltensweisen keine Erklärung findet.

Neutrale Reize werden mit natürlichen Reizen (rufen eine biologische Reaktion hervor) verknüpft.

Auf die klassische Konditionierung wurden weitere Theorien aufgebaut:

Extinktion (engl.: 'extinction') (nach Mary Cover Jones, 1924)
Unter Extinktion versteht man den Löschungsprozess einer erlernten Konditionierung. Durch das Ausbleiben jeglicher Verstärkung wird mit der Zeit die erworbene Assoziation abgeschwächt und ist schließlich gänzlich gelöscht (extingiert).
Man spricht von Extinktion, wenn die konditionierte Reaktion / der konditionierte Reflex (CR) nicht mehr gezeigt wird, obwohl ein konditionierter Stimulus (CS) dazu ersucht. Die Versuchshunde im Labor produzierten beim Glockenton in hohem Maße Speichel, bekamen aber keine Nahrung. Nach einigen Wiederholungen reagierten die Hunde immer weniger auf den Reiz der Glocke. 
Die konditionierte Reaktion wird mit ausbleibender Verstärkung zunehmend schwächer und schließlich gelöscht. 
Die bedingte Reaktion (Speichelabsonderung) erfolgt nicht mehr, wenn der bedingte Reiz (Glocke) längere Zeit nicht mehr mit dem unbedingten Reiz (Nahrung) gekoppelt wird. 
Ein unerwünschtes Verhalten kann demnach unterbunden werden, wenn der Verstärker für dieses Verhalten ausgeschaltet wird.
Beispiel Extinktion: 
Ein Kind hatte durch Konditionierung gelernt, von einem bestimmten Lehrer Angst zu haben. Da die negativen Erfahrungen jedoch schon lange nicht mehr aufgetreten sind, hat das Kind vor diesem Lehrer heute keine Angst mehr. 

spontane Erholung (engl.: 'spontaneous recovery')
Während eines Löschvorganges (Extinktion), in dem ein Individuum für eine bestimmte Verhaltensweise nicht mehr verstärkt (konditioniert) wurde, zeigt dieses Individuum plötzlich wieder diese Verhaltensweise.
"Man nennt ein solches spontanes Wiederauftreten während der Extinktion eine spontane Erholung." Mietzel (1998 b, 170)
"Man beachte jedoch, daß sich der konditionierte Speichelfluß wieder einstellt, nachdem eine gewisse Zeit ohne jegliche Wiederholung auch des konditionierten Reizes verstrichen ist. Diesen Effekt bezeichnet man als "spontane Erholung". Hilgard & Bower (1973, 70)

Beispiel spontane Erholung: 
Da negative Erfahrungen mit einem bestimmten Lehrer schon lange nicht mehr aufgetreten sind, hat das Kind vor diesem Lehrer grundsätzlich keine Angst mehr. Ohne erkennbaren Grund entwickelte das Kind gestern jedoch noch einmal starke Angst gegenüber diesem Lehrer. 


Gegenkonditionierung/ systematische Desensibilisierung (nach Wolpe 1958)
Ziel der Gegenkonditionierung  ist es, eine bestehende Reiz-Reaktions-Verbindung durch eine andere (bessere) zu ersetzen. Gegenkonditionierung bedeutet, eine durch klassisches Konditionieren erlernte Reiz-Reaktions-Verbindung durch eine weitere Konditionierung mit anderen Reizen wieder zu verlernen bzw. neu zu konditionieren. 
Beispiel Gegenkonditionierung: 
Peter ist drei Jahre alt und hat Angst vor Kaninchen. In dem Experiment sitzt der kleine Junge auf einem Stuhl und bekommt seine Lieblingsspeise, während sich langsam ein Kaninchen nähert. Anfangs hat Peter Angst, wenn das Kaninchen nur im Raum ist, zum Abschluss des Experiments kann Peter das Tier auf den Schoß nehmen und streicheln (nach Mary Cover Jones, 1974).

Besonders bei Ängsten und Phobien bedient man sich häufig der systematischen Desensibilisierung:
"Diese Verfahren [Methoden der klassischen Konditionierung] sollen die dysfunktionalen Reaktionen des Klienten auf Stimuli ändern (Emmelkamp 1994; Wolpe 1990). Bei der systematischen Desensibilisierung beispielsweise lernen phobische Klienten, ruhig statt panisch auf die Objekte oder Situationen zu reagieren, die sie fürchten (Wolpe 1990, 1987, 1958)." Comer (1995, 162)
"Erfolgreiche Behandlungsergebnisse werden berichtet bei Ängsten vor Höhe, offenen Plätzen, spitzen Gegenständen, geschlossenen Räumen, dem Fliegen, Feuer, Kontakt mit bestimmten Menschen, dem Autofahren, vor Zahnarztbesuchen, bei Schluckängsten und auch bei posttraumatischen Streßreaktionen."  Linden & Hautzinger (1996, 308)

Um eine fehlerhafte Reaktionen auf Stimuli (z.B. Angst) zu verändern, kann man unter anderem nach der systematischen Desensibilisierung vorgehen: Der Klient erlernt über mehrere Sitzungen verteilt, seine Muskulatur tief zu entspannen. Anschließend stellt der Klient mit Hilfe seines Beraters eine Angsthierarchie zusammen. Alle Situationen (Stimuli), die die Angstsituation hervorrufen, werden stichpunktartig erfasst und hierarchisch sortiert: Vom niedrigsten Angstauslöser bis zur gefürchtetsten Situation.
Im Zustand einer tiefen Entspannung leitet der Berater den Klienten an, die Situationen nacheinander zu durchleben. Erst wenn eine Situation (der zuvor erstellten Angsthierarchie) wirklich entspannt und angstfrei bewältigt wird, geht man zur nächsten Situation über, die ein höheres Angstpotential enthält. Ziel ist es, die angsterregenden Situationen in völliger Entspannung durchleben zu können. 
Zwei widerstrebende Reize treffen aufeinander: Einerseits die Angst als unangenehmer Reiz und andererseits die Ruhe und Entspannung als angenehmer Reiz. Wichtig ist hierbei, dass der positive Reiz (die Ruhe und Entspannung) stärker sein muss, als die empfundene Angst. Diese Kopplung führt zur Extinktion des unangenehmen Reizes (der Angst) bzw. zu einer Neuordnung der Reiz-Reaktionsverbindung. Wurde zuvor auf einen Reiz mit Angst reagiert, so besteht die Reaktion nun aus dem Empfinden von Ruhe und Entspannung. Der Klient soll in die Lage versetzt werden, auf Ereignisse, die zuvor große Angst auslösten, entspannt zu reagieren.  

Beispiel für eine Angsthierarchie (Klaustrophobie): Die angsterregenste Situation am Anfang und die am wenigsten angstauslösende Situation am Ende:
"1. In einem Fahrstuhl stecken bleiben (je länger die Zeit, desto unangenehmer);
2. In einem Raum eingeschlossen werden (je kleiner der Raum und je länger die Zeit, desto unangenehmer);
3. durch einen Eisenbahntunnel fahren (je länger der Tunnel, desto unangenehmer);
4. allein in einem Fahrstuhl fahren (je größer die Entfernung, desto unangenehmer);
5. in einem Fahrstuhl mit Fahrstuhlführer sein (je größer die Strecke, desto unangenehmer);
6. mit der Eisenbahn fahren (je länger die Reise, desto unangenehmer);
7. In einem Kleidungsstück mit verklemmtem Reißverschluß stecken;
8. einen engen Ring am Finger haben;
9. einen Besuch machen und dabei nicht in der Lage sein, jederzeit den Raum zu verlassen (z.B. beim Kartenspiel);
10. erzählt bekommen, daß jemand im Gefängnis sitzt;
11. Nagellack am Finger haben und keine Möglichkeit, ihn zu entfernen;
12. einen Bericht über verschüttete Bergleute lesen." Mednik, Pollio & Loftus zitiert nach Edelmann (1996, 91)

Praxisanleitung:
"Gut. Gleich werde ich Sie bitten, sich eine Szene vorzustellen. Wenn Sie die Situationsbeschreibung gehört haben, stellen Sie sich die Szene bitte so lebendig wie möglich vor, so als sähen Sie sie mit eigenen Augen, als seinen Sie wirklich dort. Versuchen Sie, sie sich in allen Einzelheiten auszumalen. Während Sie sich die Situation vorstellen, fühlen Sie sich vielleicht weiter so entspannt, wie Sie es jetzt sind. Wenn ja, dann ist es gut. Nach fünf, zehn oder 15 Sekunden werde ich Sie bitten, die Vorstellung der Szene zu unterbrechen und zu Ihrem schönen Bild, das Sie sich vorhin ausgesucht haben, zurückzukehren und nur zu entspannen. Wenn Sie aber nur die geringste Steigerung der Angst oder Spannung spüren, dann geben Sie mir dies durch Heben Ihres linken Zeigefingers zu erkennen. Wenn Sie das tun, greife ich ein und bitte Sie, sich die Situation nicht mehr vorzustellen, und helfe Ihnen, sich noch einmal zu entspannen. Es ist wichtig, daß Sie mir Spannung auf diese Weise melden, weil wir Sie so viel wie möglich angstauslösenden Situationen aussetzen wollen, ohne daß Sie Angst bekommen. In Ordnung? Haben Sie Fragen? ... Gut, wir werden nachher genügend Gelegenheit haben, über alles ausführlich zu sprechen." (Goldfried und Davison, 1976, S. 124-125 zitiert aus: Comer (1995, 162))


Semantische Konditionierung (nach Wolkowa)
Während die klassische Konditionierung physikalische Reize (z.B. Ton, Licht) konditioniert, nutzt die semantische Konditionierung sprachliche Signale als Reize. Die Bedeutung [Semantik = Wortbedeutungslehre; Lehre von der Bedeutung sprachlicher Zeichen] bzw. der Inhalt einer Botschaft ist relevant. Sie stellt den Reiz dar, auf den ein Individuum reagiert.

"Die Nachricht vom Tode eines nahen Verwandten kann per Telefon (akustisch) oder durch ein Telegramm (visuell) vermittelt werden, der vermittelnde Sinneskanal wie auch der physikalisch definierte Reiz spielen hierbei keine Rolle, allein der Inhalt ist entscheidend. Nur er wird ganz individuelle Gefühle und Reaktionen (z.B. Weinen) auslösen. In diesem Fall spricht man von semantischer Konditionierung." Jungwirth & Kaimberger (1998))


Operante Konditionierung

"Nachdem Thorndike mit dem "Lernen am Erfolg" das Prinzip der Verstärkungstheorien entdeckt hat, beschreibt Skinner (1978) etwa ab 1930 die operante Konditionierung, die heute instrumentelles L. genannt wird. Beim instrumentellen L. entscheiden die Konsequenzen, die dem Verhalten folgen, über dessen zukünftiges Auftreten." Asanger & Wenninger (1999, 394) 

Die operante Konditionierung beschäftigt sich mit dem eingreifenden Verhalten: Ein Individuum unternimmt einen Eingriff ('Operation'), indem es eine Verhaltensweise zeigt, und erhält dafür eine Reaktion aus dem Umwelt. Ist diese Reaktion der Umwelt positiv, zeigt das Individuum diese Verhaltensweise in Zukunft häufiger. Wird die Reaktion der Umwelt als unangenehm empfunden, wird das Verhalten in Zukunft seltener gezeigt. 

"Bei operanter oder instrumenteller Konditionierung [...] muß der Organismus erst eine Reaktion hervorbringen, bevor diese dann verstärkt werden kann. Innerhalb dieses Paradigmas steigt entweder die Häufigkeit, mit der eine spezifische Reaktion auftritt, weil sie positive Konsequenzen hat, oder aber sie sinkt, weil sie negative Konsequenzen bewirkt." Stroebe, Hewstone & Stephenson (1997, 258) 

Bestimmte Verhaltensweisen werden mit bestimmten Konsequenzen assoziiert.


Diskussion

Die Reiz-Reaktions-Modelle des Behaviorismus ignorieren die während des Lernens stattfindenden (kognitiven) Erkenntnisprozesse sowie jegliche inneren seelischen Vorgänge (Ideen, Wünsche, Motive, Glaubensvorstellungen, Denken, Fühlen und Wollen). Die Kategorisierung der Erfahrungen (im Kindesalter) wird außer Acht gelassen.
Gegen den Behaviorismus spricht weiterhin, dass sich die geistige Entwicklung nicht ausschließlich über die Sinneserfahrungen ergibt.

Eine Extinktion (Löschung) funktioniert nicht immer mit dem Entzug der Verstärker: Oftmals unterliegt eine unangepasste bzw. sozial unerwünschte Verhaltensweise einer intrinsischen Kontrolle.

Es stellt sich die Frage, ob diese (behavioristische) Auffassung für eine Erklärung des menschlichen Lernverhaltens ausreicht, da hier eher der Aufbau einer Erwartung 'erlernt' wird.

 

 Exkurs: (Daher hier nicht näher behandelt zur Vollständigkeit)

Erwin R. Guthrie
Die 1952 von Guthrie entwickelte Lerntheorie besagt, dass sich "die volle Stärke der "Verbindung" zwischen einem Reiz und einer Reaktion bei der ersten Paarung manifestiert und durch Übung weder geschwächt noch gestärkt werden kann." Lefrancois (1994, 22) 

Der Lernprozess ist nach dieser Theorie nach der ersten Reiz-Reaktions-Paarung abgeschlossen. 
Ist die Reaktion auf zwei gleiche Reize unterschiedlich, so seien die Reize nicht genau gleich (auch kleine Differenzen können zu einer unterschiedlichen Reaktion führen).  

 

Inhalt dieses Artikels

Die Gegenkonditionierung ist eine Methode in der Hundeerziehung. Sie beruht auf derselben Grundlage wie die klassische Konditionierung und wird in der Verhaltenstherapie gezielt eingesetzt.

Ausgangslage ist, dass dein Hund bereits auf einen speziellen Auslöser oder eine bestimmte Situation hin eine spezifische Verhaltensreaktion zeigt. Ist dieses Verhalten unerwünscht, wird mit der Gegenkonditionierung versucht, es in ein anderes, positiv besetztes Verhalten umzuändern.

 

Wie funktioniert die Gegenkonditionierung?

Hunde lernen unter anderem über die sogenannte klassische Konditionierung, einem Prinzip aus der Psychologie. Dabei wird ein bestimmter, bisher neutraler Reiz (Trigger) mit einem Ereignis in Verbindung gebracht. In Erwartung dieses Ereignisses reagiert der Hund bereits auf den vorgelagerten Reiz mit einem bestimmten Verhaltensmuster.

Ein typisches Beispiel für die klassische Konditionierung ist der Versuch des russischen Physiologen Iwan Pawlow. Sein Pawlowscher Hund bekam immer bei der Fütterung den Ton eines Glöckchens zu hören. Innerhalb kurzer Zeit lernte er, den Ton des Glöckchens unmittelbar mit der Fütterung zu verknüpfen. Er zeigte bereits vermehrte Speichelbildung, wenn nur das Glöckchen ertönte und noch gar kein Futter im Raum war.

Die Gegenkonditionierung beruht auf demselben Prinzip. Hier wird jedoch eine Reiz-Reaktions-Kette unterbrochen und der Reiz mit einer neuen, positiv besetzten Reaktion verknüpft. Das heißt, dein Hund zeigt bereits ein negatives Verhalten. Zum Beispiel könnte er bei Pawlows Glöckchen (der Reiz) in freudiger Erwartung wild durch die Wohnung rennen (die Reaktion). Dieses negative (unerwünschte) Verhalten wird dabei nicht bestätigt. Stattdessen wird ein anderes, positives (erwünschtes) Verhalten intensiv belohnt und dadurch gefestigt.

Eine verwandte Methode ist die systematische Desensibilisierung. Sie wird hauptsächlich bei starken Angstreizen eingesetzt. Bei ihr wird der Hund immer wieder mit dem Objekt der Angst konfrontiert, ohne dass etwas passiert. So schwächt sich die Angst nach und nach ab. Typisch für den Einsatz der Desensibilisierung sind Angst vor Gewitterdonnern, Angst vor Knallern oder Angst vor einem anderen spezifischen Geräusch.

Die Gegenkonditionierung hingegen schwächt den Angstreiz nicht nur ab. Sie setzt zusätzlich einen neuen Reiz mit einer positiven Verknüpfung an seine Stelle, zum Beispiel durch ein Leckerli.

Was musst du bei der Gegenkonditionierung beachten?

Dein Hund soll keinen negativen Stress erleben, sondern durch positive Verstärkung lernen. Dazu wird meist mit einer Belohnung in Form von Futter gearbeitet. Bewährt hat sich der Einsatz besonderer Leckerlis wie Käsestückchen oder Schinkenwürfeln. Die Aussicht auf das Leckerli motiviert deinen Hund und hilft ihm, das von dir gewünschte Verhalten besser zu verinnerlichen.

Wichtig ist das exakte Timing der Belohnung: Sie darf weder zu früh noch zu spät erfolgen, da sie dein Hund sonst nicht mit seinem aktuellen Verhalten in Verbindung bringen kann.

 

Gegenkonditionierung am Beispiel „Angst vorm schwarzen Hund“

 

Das Erlebnis und die erlernte Reaktion

Dein Hund hatte einmal ein negatives Erlebnis mit einem schwarzen Hund. Er wurde von ihm bedrängt. Nehmen wir an, er wurde sogar von ihm verletzt. Möglicherweise meidet er von nun an alle fremden schwarzen Hunde und zeigt bei ihrem Anblick deutliche Stresssymptome.

Er hat also gelernt, den Reiz „schwarzer Hund“ mit unangenehmen Dingen wie Angst oder Schmerzen zu verknüpfen. In der Folge reicht ihm bereits der Reiz, um in Erwartung der unangenehmen Folgen eine entsprechende Reaktion (Meideverhalten) zu zeigen.

Du als Besitzer hast wiederum gelernt, dass dein Hund beim Anblick eines schwarzen Artgenossen panisch reagiert. Womöglich versuchst du, ihn zu beschützen und verstärkst durch deine gut gemeinte Reaktion seine Angst zusätzlich.

Dein Hund denkt dann in etwa: „Oh je, ein schwarzer Hund! Gleich wird es wieder unangenehm für mich werden. Mein Besitzer ist auch schon ganz aufgeregt, also ist meine Reaktion richtig“.

 

So wendest du die Gegenkonditionierung an

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, wendest du die Gegenkonditionierung an. Gehe dabei immer in kleinen Schritten vor und überfordere deinen Hund nicht.

 

Schritt 1: Keine Angst mit großem Abstand

Zeige deinem Hund zunächst aus sehr sicherer Entfernung mehrere schwarze Hunde. Wichtig: Sie sollten sich immer in großem Abstand zu deinem Hund befinden und sich ihm auf keinen Fall nähern. Gut ist zu Beginn ein Hund, der angeleint am anderen Ende der Wiese geht. Bleibt dein Hund ruhig und sieht in die Richtung des schwarzen Hundes, lobe ihn sofort überschwänglich und breche die Situation ab.

Laufe einfach in eine andere Richtung oder lenke ihn durch ein Spiel ab. Beachte: Setze die Belohnung genau zum richtigen Zeitpunkt ein! Keinesfalls darf das Kehrtmachen einer Flucht gleichen. Sie muss neutral besetzt sein.

Bleibe bewusst locker und versuche, dich nicht zu verkrampfen. Ziel dieses Schrittes ist es, die Verknüpfung „schwarzer Hund = Gefahr“ zu ersetzen durch die Verknüpfung „schwarzer Hund = gar nicht schlimm + Leckerli“.

Schritt 2: Abstand reduzieren

Als nächsten Schritt kannst du versuchen, deinen Hund näher an einen schwarzen Hund zu bringen. Wie bisher gilt auch jetzt: Keinesfalls sollte der andere Hund deinem näher kommen als du es für den Trainingsschritt möchtest.

Wahrscheinlich spannt sich dein Hund bei dem geringeren Abstand bereits an. Lenke ihn daher bewusst immer wieder ab, indem du ihn etwa bei Fuß laufen lässt oder ihn absitzen lässt.

Klappen diese Übungen mit dem schwarzen Hund in der Nähe gut und sieht dein Hund nur hin und wieder hinüber ohne sich aufzuregen, belohne ihn immer wieder mit besonderen Leckerlis. Ziel dieses Schrittes ist es, ein normales Verhalten auszuüben, obwohl die „Bedrohung“ in der Nähe vorhanden ist.

Schritt 3: Distanzabbau

Versuche nun in kleinen Schritten, immer mehr Distanz abzubauen.

Eine Möglichkeit: Führe deinen Hund angeleint im Abstand von etwa 3 Metern an einem freundlichen, gut erzogenen, ebenfalls angeleinten schwarzen Hund zügig vorbei.

Im Idealfall geht dieser bei Fuß bzw. wird von seinem Besitzer abgelenkt, so dass er sich gar nicht für deinen Hund interessiert. Achte darauf, dass dein Hund den anderen zwar registriert, sich aber mehr an dir orientiert, weil du eine leckere Belohnung hast. Diese bekommt er, sobald ihr den schwarzen Hund möglichst unaufgeregt passiert habt.

Schritt 4: Direkter Kontakt

Im Lauf der Zeit kannst du damit beginnen, mit bestimmten schwarzen Hunden intensiver zu arbeiten. Ein kleines, sehr gut sozialisiertes, freundliches Exemplar ist für den ersten Schritt am besten geeignet.

Dein Hund sollte ihn durch mehrmaliges Vorbeilaufen bei angemessenem Abstand bereits etwas „kennengelernt“ haben. Wichtig ist eine sichere, ungestörte Umgebung, in der ausreichend Platz zum Ausweichen vorhanden ist.

Nun könnt ihr beide Hunde ableinen. Lenkt der Besitzer des schwarzen Hundes ihn ab, konzentriert sich dieser zunächst auf seinen Menschen. Er zeigt wenig Interesse für deinen Hund; der unmittelbare Kontakt wird verlangsamt. Danach dürfen die Hunde zueinander, sich beschnuppern und spielen.

Du selbst solltest dabei locker und entspannt bleiben. Bleibe aber nicht wie angewurzelt stehen! Das würde dein Hund als Angststarre fehldeuten und wieder in Angst und Stress verfallen. Gehe stattdessen ein paar Schritte hierhin und dorthin. Natürlich ohne dabei deinen Hund aus den Augen zu verlieren.

Halte die Kontaktzeit zunächst kurz und lobe deinen Hund währenddessen immer wieder (diesmal verbal).

Schritt 5: Wer hat Angst vorm schwarzen Hund? Niemand!

Führst du dieses Training konsequent fort zeigt er schließlich auch fremden schwarzen Hunden gegenüber keine Angst mehr. Mache dabei keine großen Sprünge, sondern steigere die Anforderungen an deinen Hund Schritt für Schritt. Die prompte Belohnung des gewünschten Verhaltens ist während der gesamten Gegenkonditionierungsmaßnahme enorm wichtig. Bei Erfolg der Methode kannst du sie sehr langsam und schrittweise reduzieren.

Manchmal kann es sinnvoll sein, die Belohnung dauerhaft beizubehalten, dann solltest du sie aber nicht jedes Mal und nicht zu umfangreich einsetzen.

MyDog365

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